Grundsätze
Durch die Kooperation mit Schulen ergänzt die kirchliche Jugendarbeit mit ihrem Engagement einen wichtigen Teil im Bildungs- und Erziehungsauftrag für Kinder und Jugendliche. Somit ist die Arbeit für und mit Schüler*innen ein ausdrücklicher Schwerpunkt in der kirchlichen Jugendarbeit der Erzdiözese Freiburg – ein besonderer Fokus liegt hierbei auf Werkreal- und Gemeinschaftsschulen.
Auch hier ist es notwendig, jungen Menschen Orientierungs- und Erlebnisräume zu schaffen, in denen sie sich mit den Fragen des Lebens beschäftigen können. Und dies unabhängig ihrer religiösen Herkunft.
Unsere Arbeit basiert u.a. auf folgenden pädagogischen Grundsätzen:
Die Teilnahme an den angebotenen Veranstaltungen ist freiwillig – die Entscheidung dafür oder dagegen wird von jedem*r Schüler*in persönlich getroffen. Wichtiges inhaltliches Kriterium dafür ist, ob sich der*die Einzelne auf die Lernerfahrungen mit den anderen zu dem gemeinsam gewählten Thema einlassen kann und will, und dies zu den räumlichen und zeitlichen Bedingungen der Veranstaltungen. Der Anspruch, sich persönlich ansprechen und anfragen zu lassen, setzt eine freiwillige Entscheidung voraus. Eine freiwillig getroffene Entscheidung für oder gegen die Veranstaltung wird jedoch als verbindlich verstanden, so dass eine durchgängige An- bzw. Abwesenheit vorausgesetzt wird.
Mitbestimmung ist ein Gestaltungsprinzip, das im Verlauf der Veranstaltungen immer wieder wichtig wird. Sie erschöpft sich nicht darin, die Jugendlichen das Thema für die Veranstaltung beim Klassenbesuch entscheiden zu lassen, sondern ist zentraler Bestandteil der Prozessorientierung und zeigt sich im gemeinsamen Weiterentwickeln der thematischen Arbeit, in der gemeinsamen Klärung der Umgangsregeln, den Vereinbarungen zur Gestaltung bestimmter Tageszeiten, etc.
Zudem fördern Mitbestimmung und -gestaltung der Veranstaltungsinhalte den persönlichen Lernerfolg und das sich-Einlassen auf Themen und Aufgaben. Damit dies gelingen kann, versucht das Leitungsteam stets transparent mit Leitungsaufgaben umzugehen.
Die Organisation von Speiseplan, Essenseinkauf, Anfahrt, Zeitplan, Kochen, etc. ist für manche Klassen sehr ungewohnt und stellt somit ein Lernfeld für die Gemeinschaft dar. Wo dies die Möglichkeiten der Schüler*innen übersteigt, bekommen sie Unterstützung von den Leitungsteams. Die Angebote bieten Freiräume sich auszuprobieren und aus Fehlern und Erfolgen zu lernen. Die Qualität liegt nicht in erster Linie im Ergebnis, sondern im Lernerfolg.
Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen die Schüler*innen mit ihren Fragen und Themen. Das bedeutet, dass unsere Arbeit nicht dann als erfolgreich bezeichnet wird, wenn bestimmte Inhalte vermittelt worden sind. Der Maßstab ist vielmehr, wie sehr es gelingt, den Themen der Jugendlichen und damit ihnen selbst näher zu kommen. Für die Leitungsteams bedeutet das, immer wieder innezuhalten, nachzufragen und neu zu überlegen, ob das aktuelle Thema oder die Methodik für die Schüler*innen richtig ist. Veranstaltungen als Prozesse verstanden sind ergebnisoffen und setzen das o.g. Prinzip der Mitbestimmung und Partizipation voraus.
Mit der Prozessorientierung geht die Lebensweltorientierung einher. Die Mitarbeiter*innen der Jugendbüros wollen die jungen Menschen in ihren Lebenssituationen ernst nehmen. Daher richten sie ihr Handeln und die Themen an deren Interessen und deren Situation aus, um für die Jugendlichen einen Mehrwert zu schaffen.
Die Mitarbeiter*innen der Jugendbüros erkennen jeden Menschen als von Grund auf wertvoll an. Deshalb machen sie keine Unterschiede bei Aussehen, Bildung, Herkunft, etc. Auch Männer und Frauen stehen sich gleichberechtigt gegenüber. Das schließt ein, dass bei manchen Themen geschlechtergetrennt gearbeitet wird.
Über die Gleichberechtigung hinaus wird Bewertungsfreiheit vor allem im Sinne eines druck- und leistungsfreien Raumes verstanden, den die Jugendbüros mit ihren Angeboten bieten. Für die Mitarbeiter*innen zählt nicht die inhaltliche Leistung, die am Ende der Veranstaltung abgeprüft wird, sondern das Interesse, die Motivation und der Einsatz, mit denen Schüler*innen sich ins Thema und in die Gemeinschaft einbringen. So können sich Schüler*innen zwar im Klassenverband, aber auf neue Art und Weise kennen lernen und begegnen.
Reflexion findet bei den Veranstaltungen auf zwei Ebenen statt. Als Element inhaltlicher Arbeit mit den Teilnehmer*innen trägt sie dazu bei, sich selbst, andere und die Gruppe besser zu verstehen. Damit ist die Reflexion nicht nur Randelement, sondern ein wesentliches Gestaltungsmerkmal. Prozessorientierung und partnerschaftlicher Umgang setzen voraus, dass sich die am Lernprozess Beteiligten auch immer wieder durch einen Blick in den (Rück-) Spiegel vergewissern, wo sie gerade stehen.
Die andere Ebene der Reflexion betrifft die Arbeit im Leitungsteam, dessen Aufgabe es ist, sowohl das eigene Handeln als auch den Gruppenprozess begleitend zu reflektieren und die Arbeit mit der Gruppe entsprechend zu gestalten.
Die Veranstaltungen wenden sich an die ganze Klassengemeinschaft, insbesondere an diejenigen, die sich auf den oben skizzierten Lern- und Gruppenprozess einlassen möchten. Dabei spielen die verschiedenen Glaubensrichtungen der Jugendlichen keine Rolle. Aus diesem Grund sind die Jugendbüros als kirchlicher Anbieter grundsätzlich ökumenisch ausgerichtet, wenngleich ihr Handeln vom christlichen Menschenbild geprägt und durchdrungen wird.
In der inhaltlichen und methodischen Gestaltung wird darauf geachtet, nicht nur kognitive Zugänge zu schaffen, sondern die mehrdimensionale Aufnahme bzw. Wahrnehmungsfähigkeit der Jugendlichen anzuregen. Durch erlebnispädagogische Methoden, Sinnesübungen und andere Körperarbeitselemente, durch nonverbale Kommunikationsformen, aber auch durch kreativ zu gestaltende Aufgaben erleben die Jugendlichen sich und die anderen oft auf intensivere Weise als dies der Schulalltag zulässt. Auf dieser Grundlage können Rollen- und Verhaltensfixierungen abgebaut und ein tieferes Verständnis untereinander gefördert werden.
